Prof. Dr. med.
Gerhard Grospietsch

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Stressdiagnostik – wie sich negativer Stress feststellen lässt

Das Erkennen von belastendem Stress ist eine wichtige Grundlage, um die Ursachen vieler seelischer und körperlicher Krankheiten besser zu verstehen und zu behandeln. Andererseits ist es ein präventives Instrument, um diesen Krankheiten vorzubeugen. Die Stressdiagnostik ist ein außerordentlich wichtiges, aber bisher noch viel zu unterschätztes Element in der Prävention seelischer und körperlicher Krankheiten.

Das Auftreten von Nervosität, Gereiztheit, Schlafstörungen, Schuldgefühlen, kognitiven Störungen und sexuellen Problemen ist zwar häufig bei Menschen mit Dauerstress vorzufinden, diese Symptome kommen aber auch bei seelischen Erkrankungen wie einer Depression oder Angststörungen vor.
Stress lässt sich also nicht allein an den Symptomen diagnostizieren, weil Stress keine Krankheit ist. Um eine richtige Stressdiagnostik vorzunehmen, muss ein weites Spektrum aus Belastungen in verschiedensten Lebensbereichen, Einstellungen, Verarbeitungsstrategien, Persönlichkeit und Belastungsfolgen mit deren seelischen und körperlichen Auswirkungen beim Patienten hinterfragt werden. Ein solches persönliches Interview erfordert Zeit und psychologisches Wissen. Viele Schwerpunkte sowie deren gegenseitige Beeinflussung müssen bei der Stressdiagnostik berücksichtigt werden.


Drei Bedingungen müssen im Rahmen der Stressdiagnostik vorrangig berücksichtigt werden:
  • Aufgetretene Belastungen und ihre individuelle Bewertung durch den Patienten
  • Persönliches Verarbeitungsverhalten des Patienten
  • Auftreten und Intensität der Auswirkungen, also der Belastungsfolgen mit ihren körperlichen und seelischen Symptomen